Wir kaufen ein Boot
- Joshy

- 20. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Aug.
Von grossen, Ja, endlosen Plänen und dem ersten Schockmoment

Mave
Ist es unvernünftig, das erste Boot zu kaufen, das man sich angeschaut hat? Vielleicht. Haben wir es trotzdem getan? Absoult! Wir waren nun also stolze Eigner der „Mave“.

Aber warum mag man sich fragen, schließlich hatte ich ja im letzten Artikel noch ausgiebig erklärt, was an dem Boot alles nicht so war, wie wir es uns anfangs mal gewünscht hatten.
Die ausschlaggebenden Punkte waren wohl einfach die Menge an Platz, die dieses Boot bietet, und die schier unbegrenzten Möglichkeiten, die es und eröffnete. Na klar, besonders schnell oder sportlich werden wir damit wohl nie unterwegs sein (dachte ich damals zumindest noch) und ein Holzrumpf, der mit GFK überzogen ist, kommt mit einigen Risiken daher, aber dafür gibt es wohl kein Revier, das dieses Boot nicht besegeln kann, und ich kann genug Werkzeug an Bord unterbringen, um meinem Job als Yachtelektriker auch unterwegs nachgehen zu können. Und mal ehrlich: ein Boot ohne Technik schreckt viele ab – uns (oder vermutlich vielmehr mich) hat es begeistert. Die Möglichkeit zu haben bei null anzufangen hat mich gereizt. Einmal eine Bordelektrik genau so bauen wie ich es für richtig halte.
Aber was vielleicht der entscheidenste Grund war, war unser Bauchgefühl. Wir standen da an Bord und haben gedacht: Das ist es! Nicht das, wonach wir gesucht haben, und trotzdem wohl genau das Boot, was wir brauchen. Und sagt man nicht: Ein Boot findet seine Eigner und nicht die Eigner das Boot? – Vielleicht ist da ja etwas dran.
Ein Ort für unser neues Zuhause
Der Plan sah wie folgt aus: warten bis das Wetter wieder ein bisschen wärmer wurde, wir hatten gerade Anfang Januar. Dann das Boot zu uns nach Hause an die Ostsee überführen, aus dem Wasser holen, den Sommer über daran arbeiten und dann zum Winter hin wieder ins Wasser bringen und einziehen. Eigentlich ein guter und einhaltbarer Plan wie wir damals fanden.
Die Wochen bis zur Überführung waren dann auch schnell vergangen, wir vertrieben uns die Zeit damit große Pläne zu schmieden, das Boot schonmal auszumisten und für die Überführung vorzubereiten und der wohl relevantesten Aufgabe: einen Liegeplatz zu suchen, wo wir ab dem Herbst liegen und auch wohnen dürfen. Dies gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht.
Man hätte meinen können, die zu dem Zeitpunkt (Anfang 2023) herrschende Liegeplatz-Knappheit an der Ostsee hätte mir, als jemand, der täglich in Häfen unterwegs ist, bewusst sein können. Irgendwie habe ich das aber gekonnt verdrängt.
So verbrachte Laura einige Wochen damit Häfen rauszusuchen, diesen zu schreiben oder anzurufen und sich eine Absage nach der anderen einzusammeln. Dieser Task würde also so schnell nicht erledigt sein.
Die Überführung
Nun stand aber erstmal die Überführung an. Wir hatten uns Ostern als Zeitpunkt ausgesucht und ein paar Tage mehr Zeit eingeplant, als man für diese Strecke unbedingt brauchen würde. Um noch ein paar Segeltage mitzunehmen, bevor unser Boot dann den Sommer an Land verbringen würde. Mit dabei ein guter Freund von mir.
Zu dritt machten wir uns also auf den Weg von Rendsburg durch den NOK zur Ostsee. Das erste Mal das eigene Boot fahren, was ein magischer Moment und auch direkt eine erste Erkenntnis: Wir haben ein Schiff gekauft, kein Boot. Ich bin bisher einige Boote gefahren und das hier ist auf jeden Fall ganz besonders. Ein 13 Tonnen schwerer Langkieler verlangt doch ein ganz anderen Umgang in Manövern als ich das so gewohnt bin. Aber es fühlt sich großartig an und so geht es unter Maschine mit einem großen Grinsen auf dem Gesicht Richtung Ostsee. Nach der Schleuse wird auf Drängen meines Freundes für die letzte Meile doch noch ein Vorsegel gesetzt. Und damit ist dann auch das erste Mal segeln auf dem eigenen Boot abgehakt. Wenn auch nur kurz.

Im Hafen dann die nächste Erkenntnis: Unser Schiff ist ja doch 42 Fuß lang und damit auf jeden Fall länger, als alle Boote, die ich sonst so gefahren bin. Und da ich das wohl noch nicht ganz realisiert habe, orientiere ich mich bei der Liegeplatzwahl an einer Bavaria 36; upps. Es passt trotzdem alles, der Hafen ist zudem auch so gut wie leer. Nur der Hafenmeister ist kurz irritiert, warum wir unbedingt an einem zu kurzen Fingersteg liegen wollen.
Am nächsten Morgen geht es dann das erste mal so richtig segeln. Mit gerefftem Groß, Fock und Klüver in Richtung Ærø. Es ist Ostern und dementsprechend noch recht frisch draußen, was dazu führt, dass die Crew unseren bisher noch recht ungeliebten Dodger allmählich zu mögen anfängt. Und ich sehe sofort das Potenzial für Touren in kältere Gefilde, träume von Eisbergen, die am Boot vorüberziehen, und einem verschneiten Deck. Ja… sagen wir, es fällt mir manchmal schwer im Moment zu sein.
Ein weiteres Gefühl stellt sich bei allen an diesem ersten Segeltag ziemlich schnell ein, und zwar das von Sicherheit. Dieses Boot, selbst ohne großartige technische Ausstattung (Logge wie auch Lot zeigen Werte, die wenig mit der Realität zu tun haben; nur mein am Vorabend noch schnell zusammen gelötetes NMEA 0183-WLAN-Gateway sendet zuverlässig die Daten vom AIS an unser Tablet), vermittelt durch seine Art wie es sich durch die Wellen hebt und senkt, durch die Tatsache, dass nichts unter Deck knarzt oder quietscht, und durch den massiven Edelstahl-Seezaun, der das Deck umgibt, ein Gefühl von "mit mir kann dir nichts passieren." Und da ich dieses Gefühl auf einem Überführungstörn eines so gut wie fremden und mäßig ausgestatteten Schiffes eher wenig erwartet hatte, macht es mich sehr glücklich.
Es folgen Tage und Nächte vor Anker oder unter Segel, Ausflüge mit dem Dinghy an Land und alles in allem ein wirklich traumhafter erster Törn – der uns keinen Moment an unserer Entscheidung zweifeln lässt.
Das grosse Warten
Nur danach ging es irgendwie etwas schleppend voran. Eigentlich wollten wir so schnell wie möglich aus dem Wasser, um den Sommer über möglichst viel Zeit für unsere Umbaupläne zu haben. Jedoch wollte der Hafen da nicht so ganz mitspielen und plante uns erst im Juni einen Krantermin ein. Also lag die Mave für die nächsten Wochen erstmal im Stadthafen – und irgendwie hat es uns dann an Bord im Hafen doch zu gut gefallen als das wir Motivation gehabt hätten, das Boot von innen bereits zu zerlegen. So vergingen fast 2 Monate, in denen ich quasi schon auf dem Boot gewohnt habe und mich nur, wenn es nötig war, mal habe in der Wohnung blicken lassen. Eine sehr schöne Zeit, allerdings ohne große Fortschritte.
Endlich an Land

Wirklich los ging es nachdem Mave dann endlich an Land stand. Ich hatte mir so gut es ging keine Aufträge für den Sommer gesichert, um alle Zeit ins Boot investieren zu können, Laura wollte am Wochenende und nach Feierabend mit anpacken.
So fingen wir also an, die Küche zu entkernen – eine Baustelle, die wir auf jeden Fall fertig haben wollten bevor wir einziehen würden – und die Steuerbord-Achterkabine von einer Hundekoje in ein Technikraum zu verwandeln. Irgendwo müssen ja all meine technischen Spielereien wohnen. Mein Vorhaben dieses Mal meinen Perfektionismus etwas hinten an zu stellen, warf ich wohl spätestens in dem Moment über Bord, in dem ich entschied, die gesamte Küche inkl. Außenwand und Schränken zu schleifen und zu lackieren, jetzt wo ja bereits alles auseinander gebaut ist. Parallel verbrachte ich immer mal wieder ein paar Stunden damit die alten Farbschichten des Unterwasserschiffs abzuziehen – eine wirklich spaßbefreite Arbeit.
Und so kam es auch, dass eines warmen Julinachmittags, während ich mal wieder Lackschichten abzog, unser ganzes Projekt plötzlich eine etwas unerfreuliche Wendung nahm.
















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